„Ihr könnt den ersten Hund bringen!“

Die Worte der Tierärztin kommen schneller als erwartet, erst 90 Minuten zuvor holten wir Ines und Thomas am Flughafen Zadar ab
und fuhren mit ihnen nach Benkovac. Jetzt wartet Ines in dem von uns vorbereiteten, kleinen Häuschen in Benkovac hinter dem OP-Tisch
darauf, mit der ersten Kastration beginnen zu können, Thomas steht mit der Narkosespritze bereit.

Wir holen den ersten Hund aus dem Zwinger. Er weiß nicht, ob er sich über die ungewohnte Zuwendung freuen soll oder ob die Angst überwiegt.
Was uns jedes Mal auf´s Neue überrascht ist, wie freundlich jeder einzelne Hund ist, der uns in den Tierlagern in Benkovac und Zadar begegnet.
Hunger, Misshandlung, Krankheiten, Vernachlässigung – wir wissen nicht, welche schlimmen Dinge jeder einzelne dieser Hunde in der Vergangenheit
erlebt hat. Wir dürfen nur feststellen, dass all dies ihr Vertrauen in Menschen nicht gebrochen hat. Die Hoffnung auf Zuwendung und Hilfe scheint
alle Vorsicht zu überwiegen.

Ines hat den zweiten Hund in Benkovac auf dem OP Tisch Ines und ein weiterer Hund


Thomas setzt die Spritze ins Hinterbein, der Hund zuckt – zu spät, die Narkose wirkt bereits. Der Kopf des Hundes sinkt, der Körper wird schlaff,
2 Minuten Zeit für uns zum Nachdenken… Wir haben es wirklich geschafft, eine Kastrationsaktion auf die Beine zu stellen. Wir, ein kleiner Verein aus
Würzburg, stehen in Kroatien mit zwei deutschen Tierärzten, um der unkontrollierten Vermehrung der Hunde in Zadar und Benkovac ein Ende zu bereiten.
Es ist die erste Kastrationsaktion in Kroatien, die mit den Tierärzten des deutschen Tierärztepools durchgeführt wird. Kräftezehrende Wochen der Planung,
Organisation und Vorbereitung liegen hinter uns. Schaffen wir es, alle anfallenden Kosten zu stemmen? Können wir die notwendigen Materialien auftreiben?
Finden wir genug Mitstreiter, die ihre Freizeit im kroatischen Nirgendwo opfern, um uns bei diesem Projekt zu unterstützen? Jetzt, da wir hier in Benkovac
stehen und zusehen, wie der erste Hund auf die Operation vorbereitet wird, können wir all diese Fragen mit „Ja“ beantworten. Die Zweifel, ob uns die
Durchführung dieser Aktion gelingt, scheinen momentan über Bord geworfen. Die Narkose wirkt nun endgültig. Thomas legt die Kanüle, spritzt Medikamente
und rasiert den Bauch des Hundes, bevor er ihn auf dem OP-Tisch fixiert
.

Was wird uns in den nächsten Tagen erwarten? Wie viele Hunde werden wir kastrieren können? Halten alle durch? Unsere Anreise per Auto war beschwerlich,
der Flug der Tierärzte nicht weniger, es soll zudem sehr heiß werden… Werden die Hunde alles gut überstehen? Die ersten Eindrücke der Tierlager nach
unserer Ankunft waren nicht erbaulich, es war einigermaßen sauber und ordentlich – die Anzahl der Hunde aber, insbesondere der Welpen war überwältigend.
Viele sahen nicht gut aus, gar nicht gut. Abgemagert, schwach, apathisch, der Anblick schmerzt unsagbar. Ines setzt den Bauchschnitt, ab jetzt wird alles
sehr schnell gehen. Bereits nach wenigen Minuten liegt der Hund wieder vor uns, um aus der Narkose aufzuwachen.


Nett sind sie, Ines und Thomas, und unkompliziert. Wir sind beruhigt, dass sie mit unseren Vorbereitungen zufrieden sind, hoffentlich kommen sie auch mit
dem von uns improvisierten Zelt-OP in Zadar zurecht. Was werden die beiden überhaupt zum Shelter in Zadar sagen? Wie sinnvoll ist diese Aktion, wenn man
bedenkt, was in Zadar alles im Argen liegt? Würden sie wieder kommen, um eine zweite Kastrationsaktion mit uns durchzuführen? Noch ist ja nicht mal die erste
vorbei… Der Hund vor uns beginnt sich langsam wieder zu bewegen und auf uns zu reagieren, Zeit die Kanüle in der Vorderpfote zu ziehen.

Wir fotografieren den Hund, schreiben Alter, Geschlecht und Rasse auf, notieren die Chipnummer. Wird er einer derjenigen sein, der in ein paar Tagen die Chance
auf ein neues Leben in Deutschland haben wird? Können wir ihn mitnehmen? Haben wir eine passende Pflegestelle? Oder müssen wir ihn mit den Worten „Bei der
nächsten Fahrt bist zu dabei!“ zurück lassen. Mit diesen Worten, die wohl vielmehr uns selbst trösten als ihn… Die Einstichstelle blutet nicht mehr, taumelnd
kann der Hund sich auf den Beinen halten. Bis er ganz bei sich ist, kommt er in einen Quarantänezwinger.




einer der Welpen, der eine Infusion bekam Vorbereitung zum Kastrieren

6 Welpen, winzig klein, viel zu klein, um ohne Mutter zu sein, liegen in einem der Zwinger. Es sieht nicht gut aus, gar nicht gut… Ines schaut sich die Kleinen an.
Sieht nicht gut aus, gar nicht gut… Sollen wir es dennoch versuchen? Ja! Infusionen werden angehängt, Spritzen gegeben, Futter und Wasser eingeflößt. Zu diesem
Zeitpunkt wissen wir nicht, dass diese Rettungsversuche zu spät kommen werden, noch wissen wir nicht, dass es die Kleinen nicht schaffen werden. Noch können wir
nicht erahnen, mit wie vielen dieser Situationen wir in den nächsten Tagen konfrontiert werden, wie viele Entscheidungen – endgültige Entscheidungen – getroffen
werden müssen. Es werden viele sein, sehr viele! Das alles wissen wir während der Kastration des ersten Hundes in Benkovac noch nicht. Der Hund steht sicher,
wirkt vollkommen wach und wedelt mit dem Schwanz. Er kann zurück in seinen Zwinger.


Das Elend der Welpen, das sich ganz tief einbrennt, wenn man es einmal gesehen hat, macht uns klar, dass die Entscheidung und die Arbeit für diese Kastrationsaktion
richtig und unumstößlich waren. Und die Tatsachen, dass am Ende dieser Aktion neben verschiedenen anderen Operationen insgesamt 136 Hunde und 7 Katzen kastriert
sein werden und dass zum Zeitpunkt unserer Abfahrt kein unkastrierter Hund mehr in Benkovac und Zadar verbleiben wird, werden diese 9 Tage im Juni 2010 für uns zu
einem echten Erfolg machen… Doch eine Erkenntnis tritt schon während dieser ersten Stunden immer deutlicher zu Tage: die einzige Chance, dauerhaft eine Veränderung
zu bewirken, ist ein Umdenken in der Bevölkerung zu erreichen. Kastrationen in den Sheltern in Benkovac und Zadar sind wichtig, unerlässlich ist es aber, die kroatische
Bevölkerung davon zu überzeugen, ihre eigenen Hunde kastrieren zu lassen.

Ines steckt den Kopf durch die OP-Tür: „Ihr könnt den nächsten Hund bringen!“

Vieles mehr gäbe es von diesen 9 Tagen in Kroatien zu berichten, zu viel, um es in einen Reisebericht zu schreiben. Wir könnten noch schildern, wie viel Futter wir
zur Verfügung stellen konnten, wie weh es tut, eine Katze zu sehen, die eine Nacht lang mit Feuerwerkskörpern gequält wurde, wir könnten die Baumaßnahmen beschreiben,
die wir nebenher durchführten. Es gäbe noch so viel zu berichten…
Wir berichten nun nicht mehr, anstatt dessen sagen wir: Danke!

  • Danke - Ines und Thomas - für Euren unermüdlichen und professionellen Einsatz, vor dem wir alle den Hut ziehen.

  • Danke an alle Organisationen und Vereine, die die Finanzierung dieses Projekts ermöglicht haben - besonders ATIS, Animal2000 und dem Deutschen Tierhilfe Verband.

  • Danke – Karin und Alan – für die Unterstützung, die ihr uns auf so vielfältige Art und Weise zukommen lasst.

  • Danke – Angie, für deinen unermüdlichen Einsatz.

  • Danke – Angela, Alex und Jojo – für Eure Aufopferungsbereitschaft und Eure Geduld.

  • Danke an Sabrina und Diana sowie an den Tierschutzverein Lohr e.V. für tatkräftige und materielle Unterstützung und eure fachlichen Ratschläge

  • Danke an alle Helfer in und um Würzburg, an diejenigen die uns bei unserer Rückkehr empfangen, an diejenigen die den Pflegehunden immer wieder ein liebevolles Zuhause auf Zeit schenken, an diejenigen, die uns bei der Vorbereitung, Nachbereitung und bei der Vermittlung unserer Hunde helfen!

  • Danke an alle Unterstützer und Freunde unseres Kroatienprojekts – ohne das Vertrauen, das ihr in uns setzt, wäre diese Aktion nicht möglich gewesen.



Unsere Arbeit in Benkovac und Zadar ist noch lange nicht vorbei. Neben weiteren Baumaßnahmen möchten wir kontinuierlich Hunde kastrieren lassen, damit das Elend der Welpen
nicht wieder von vorne beginnt.
Dazu benötigen wir weiterhin Ihre Unterstützung!

Hier ein paar Bilder:

Jurica's Büro wurde als OP Raum umfunktioniert. Der Hund auf dem Arm war extrem ängstlich.
Der Tierarzt hat ihm die Narkose gegeben.

Sobald die Narkose gewirkt hat, wird der Bauch rasiert Die Hunde kamen zum Aufwachen in die Quarantäneboxen

Das Operationszelt in Zadar

Der OP-Tisch und die Tierärztin

Da es in Zadar keine Quarantäneboxen o.ä. gibt, wurden die Hunde bis zum Aufwachen in den Schatten gelegt
und von uns beobachtet. Außerdem bekamen sie ausgiebige Streicheleinheiten :-)



 Liebe Freunde und Unterstützer unseres Kroatienprojekts,

nachdem wir, die Tierhilfe Benkovac Zadar, seit mittlerweile zwei Jahren die kroatischen Tierasyle in Zadar und Benkovac unterstützen, stehen wir nun vor der wichtigsten Aufgabe und gleichzeitig vor der größten Herausforderung unseres Projekts. - Im Juni werden wir in Kooperation mit kroatischen und deutschen Tierärzten in beiden Tierlagern eine Kastrationsaktion durchführen.


In den vergangenen Monaten unserer Arbeit haben wir beide Tierlager mit Futter und Medikamenten unterstützt, wir haben Hundehütten und Podeste gebaut, wir haben neue Gehege eingezäunt, die Ausläufe mit mehreren Tonnen Kies ausstreuen lassen und mit Marijana aus Zadar und Jurica aus Benkovac darauf hingearbeitet, dass beide Tierlager weitgehend sauber gehalten werden. Zudem stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit den Verantwortlichen der Stadt Zadar um eine langfristige und zuverlässige Finanzierung der Futterversorgung der Hunde sicher zu stellen.

Dies alles sind und waren wichtige und notwendige Aufgaben, die uns alle viel Zeit, Energie und Geld gekostet haben – und nicht ohne ein kleines bisschen Stolz können wir sagen, dass sich die Situation in beiden Tierlagern innerhalb der vergangenen zwei Jahre entspannt hat, dass die Anzahl der Hunde bereits reduziert werden konnte und die Hunde in einem deutlich besseren Gesundheits- und Ernährungszustand sind als noch vor einigen Monaten. Jede dieser Maßnahmen gelang uns jedoch nur durch die tatkräftige und finanzielle Unterstützung vieler großzügiger Helfer und Tierfreunde.

 
Nun appellieren wir erneut ganz herzlich an Ihre Spendenbereitschaft: Kastrationen sind das A und O, um eine ungewollte Vermehrung zu vermeiden und unserer Ansicht nach langfristig die effektivste Tierschutzmaßnahme um nachhaltig das Elend hungernder und kranker Hunde und Katzen zu durchbrechen. Wir gehen davon aus, dass bei der von uns geplanten und organisierten Aktion im Juni alle Hunde aus dem Shelter Benkovac und weitere 80 bis 100 Hunde aus dem Shelter Zadar kastriert werden können.
 

Damit diese Pläne Realität werden können brauchen wir Ihre Hilfe! Wir sind dringender denn je auf Geldspenden angewiesen, um die enormen Kosten, die auf uns zukommen werden, begleichen zu können. Selbstverständlich arbeiten die Tierärzte ehrenamtlich, natürlich müssen wir aber Operations- und Verbandsmaterial kaufen, was sich pro Hund auf etwa 30,00 € beläuft. Hinzu kommen Ausgaben für Zelte, Stromaggregate, Scheinwerfer, Operationstische, die zusätzlich zu den üblichen Kosten für Medikamente und Futter, das wir in Kroatien kaufen, von uns aufgebracht werden müssen!


Die Gesamtkosten für diese Fahrt werden sich auf mehrere tausend Euro belaufen – diese Summe können wir nur durch Ihre Unterstützung aufbringen! Bitte helfen Sie uns diese wichtigste Tierschutzmaßnahme zu verwirklichen! Nur konsequente Kastrationen können eine Verminderung des Tierleids bewirken!

Denn: weniger Hunde im Shelter bedeutet gleichzeitig:

- weniger Hunger, den jeder einzelne Hund leiden muss!
- weniger Gefahr für jeden einzelnen Hund, sich mit ansteckenden Krankheiten zu infizieren!
- weniger Gefahr für jeden einzelnen Hund, in überfüllten Gehegen angegriffen oder tot gebissen zu werden!

Bitte lassen Sie unser Vorhaben Wirklichkeit werden. Wir freuen uns über jede Spende!

Menschen für Tierrechte Würzburg e.V.
Kontonummer: 110 11 53
Bankleitzahl: 790 900 00
Volksbank-Raiffeisenbank Würzburg
IBAN: DE71 7909 0000 0001 1011 53
BIC: GENODEF1WU1
BETREFF: Kroatien – Kastrationsaktion

Gerne können Sie auch eine Kastrationspatenschaft hier auf unserer Homepage übernehmen (folgt in Kürze), der von Ihnen gewählte Betrag wird dann per Lastschrift direkt eingezogen.

 Natürlich freuen wir uns ebenso über Sachspenden in Form von Futter, Halsbändern, Leinen oder Hundekrägen/-trichtern!
Zudem sind wir weiterhin auf der Suche nach Vereinen und Privatpersonen, die einem Hund aus Kroatien einen vorübergehenden Pflegeplatz oder ein dauerhaftes Zuhause schenken. Wenn sie die Möglichkeit haben, einen Hund aus Kroatien bei sich aufzunehmen, melden Sie sich bitte unter jenny.fischer@tierhilfe-benkovac-zadar.de

Wir möchten uns an dieser Stelle herzlich für das uns entgegengebrachte Vertrauen bedanken - verbunden mit der Hoffnung auch bei dieser Fahrt auf die Großzügigkeit der Unterstützer und Freude unseres Kroatienprojekts bauen zu können.

Vielen Dank & herzliche Grüße,

Ihr Team der Tierhilfe Benkovac Zadar

(Menschen für Tierrechte Würzburg e.V.)