Moro´s Theaterspiel


Vom 22. Mai bis 23. Juli gab es im Würzburger Mainfrankentheater eine Attraktion besonderer Art zu bestaunen. Nein, nicht etwa nur herausragende Schauspielkunst der zweibeinigen Künstler. Es gab in dieser Zeit einen vierbeinigen Mitspieler, der mit seinem Charme und seiner Lässigkeit dem Theater eine besondere Note verlieh.

Da war diese Zeitungsannonce mit dem Titel "Theater sucht Mensch mit Hund". Zusammen mit meinem Hund Moro machte ich mich auf zu einem Casting ins Theater. Mit seiner Ausstrahlung und bedingungslosen Liebenswürdigkeit sicherte er uns den Platz in dem Theaterstück "Von Mäusen und Menschen" von John Steinbeck. Schon nach den ersten Proben waren Schauspieler, Bühnen- und Maskenbildner sowie Regiemitarbeiter von ihm begeistert. Leise, unaufdringlich und schwanzwedelnd hatte er die Herzen aller erobert. Selbst Leuten mit panischer Angst vor Hunden wurde er schnell zum Freund. Mancher war betrübt, als das Stück auslief. Das, obwohl er im Stück äußerlich für viele Menschen das Bild eines großen, bösen, pechschwarzen Hundes verkörperte.

Sein besonderes Phlegma, eine große Lernbegierde und Freude an allem neuen machten diesen Hund, der zwei traurige Jahre angekettet in einem Tierasyl im kroatischen Zadar verbringen musste, zur perfekten Besetzung für diese Rolle.

Seine Aufgaben bestanden darin, mir auf die Bühne zu folgen, dort Platz zu nehmen, sich von zu Anfang völlig fremden Leuten führen zu lassen und dabei immer der liebe Hund zu bleiben der er nun mal ist. Dabei hat er sich nie gesträubt, die ihm gestellten Aufgaben zu erfüllen und auch in ungewohnten Situationen nie seine unerschütterliche Gutmütigkeit verloren.

Auch der lebhafte Beifall von weit mehr als 400 Zuschauer konnte ihn nicht verunsichern oder gar ängstigen. Er absolvierte die Premiere und alle weiteren Vorstellungen mit Freude und bravouröser Lässigkeit. In den Pausen und am Ende jeder Vorstellung war er häufig Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit und genoss viele Streicheleinheiten begeisterter Zuschauer.

"Wie bringt man einem Hund das bei?" oder "War das schwer, ihn so zu trainieren?" wurde ich oft gefragt. Die Antwort war aber immer die gleiche. Ich musste ihm nichts beibringen, außer den Befehlen für "Sitz"," Platz" und "Gut gemacht". Erzählte ich dann noch seine tragische Lebensgeschichte und dass er ein Hund aus Kroatien sei, wie es sie dort zu Tausenden gibt, war das Staunen groß. Dass er trotz der furchtbaren Dinge, die ihm Menschen angetan haben, Liebe, Vertrauen und Anhänglichkeit zu selbigen nicht verloren hat, erstaunt auch jeden immer wieder aufs Neue.

Alles in Allem bin ich sehr froh, dass wir uns genau solch einen Hund schon zum Zweiten Mal ausgesucht haben, denn keine Erziehung> ersetzt die Dankbarkeit, die einem diese geretteten Tiere aus Kroatien schenken. Unser nächstes Ziel wird die Rettungshundestaffel des Arbeiter Samariterbundes und ich bin mir sicher, dass er auch diese Aufgabe mit Freude angehen und bewältigen wird.

Moritz Kühnert